Loading...

Benjamin Katz. Berlin Havelhöhe – Museum Ludwig

///Benjamin Katz. Berlin Havelhöhe – Museum Ludwig

Benjamin Katz. Berlin Havelhöhe – Museum Ludwig

Zertrümmerte Naziskulpturen, verlassene und mit Einschusslöchern durchzogene Gebäude und Menschen, die um ihr Leben kämpfen, die Sammlung Berlin Havelhöhe macht auf den ersten Blick einen etwas bedrückenden Eindruck. Doch beschäftigt man sich ein wenig eingehender mit ihrem Hintergrund, so ist sie vielmehr Ausdruck einer unbändigen lebensbejahenden Energie und grenzüberschreitender Lebensumstände. Entstanden während seines 18-monatigen Aufenthalts im ehemaligen Tuberkulose-Sanatorium Berlin Havelhöhe in den Jahren 1960 bis 1961, eröffnet euch die Ausstellung einen Blick hinter die Fassade von Benjamin Katz Kampf gegen die lebensbedrohende Infektionskrankheit und in den Alltag der in dem Krankenhaus lebenden Patienten. Und nun ratet mal, welches Utensil Katz in jener schweren Zeit unablässig Kraft spendete…

„Die Kamera war für mich eine lebensrettende Angelegenheit“, sagt der Fotograf selbst, dessen Sammlung im Rahmen seines 80. Geburtstags vom Museum Ludwig aufgekauft wurde. Seine Kamera, eine Rolleiflex, sie lenkte ihn ab, sie dokumentierte und sie gab Hoffnung. Und nun befindet sich dieser dokumentierte Lebensabschnitt von Katz in der fotografischen Sammlung des Ludwigs. Mit dem Kauf erweitert das Museum seine Sammlung um insgesamt 41 Motive in unterschiedlichsten Größen sowie um 318 auf DIN-A-4-Bögen montierte Vintageprints, von denen euch im Rahmen der Ausstellung eine kuratierte Auswahl zum ersten Mal überhaupt zugänglich gemacht wird. „Diese Arbeiten von Katz kennt bisher noch niemand“, sagt Yilmaz Dziewior, der Direktor des Museums. „Wir sind sehr bewegt, dieses unglaubliche private Konvolut in unsere fotografische Sammlung aufnehmen zu können. Die Bilder sind so lebendig, sie sprechen für sich selbst. Und sie zeugen von einer extrem hohen technischen Finesse.“

Zeitzeugnisse, das sind sie überdies alle. Die Ausstellung beherbergt sowohl Fotos, die vom Leben der Patienten im Berliner Krankenhaus erzählen und die deren Alltag begleiten, als auch Abbilder der Anstalt und dessen Umgebung selbst, welche im zweiten Weltkrieg als Luftkriegsakademie errichtet worden war und dessen Rekruten für die Bombardierung Guernicas im spanischen Baskenland verantwortlich waren. Es sind Hinterlassenschaften einer schrecklichen Zeit, die auf den Fotos festgehalten wurden. Ein explodierter Munitionstransportwagen, leerstehende und mit Einschusslöchern versehene Gebäudekomplexe, Szenerien, die Lieder von Leid und Tod singen und nichtsdestotrotz zum Zeitpunkt der Aufnahmen ein Ort der Hoffnung waren.

Die Fotografien seiner Mitpatienten entstanden indessen in allen erdenklichen Lebenslagen und dabei bewies Katz, trotz der objektiv doch recht ungewöhnlichen Situation, keinerlei Scheu, auf den Auslöser zu drücken. Die Fotos zeigen die Patienten beim Zeitungslesen, beim Austauschen von Kriegsgeschichten oder einfachheitshalber beim Schlafen, der Blick hinter die Fassade ist gelinde gesagt beeindruckend und unverwechselbar bewegend. „Man sieht bereits in jungen Jahren, welch unglaubliches fotographisches Potenzial sich in Katz verbarg. Das ist ein ausschlaggebender Punkt dafür, dass das, was auf den Fotos dargestellt ist, solch eine starke Wirkung hat.“

Benjamin Katz hat den Kampf gegen die Tuberkulose gewonnen. Die Ausstellung Berlin Havelhöhe nimmt euch mit auf eine der härtesten Stationen seines Lebens, getränkt in eine gehörige Portion Lebenswillen. Werdet Zeuge einer Zeit, die sich als Zäsur in Katz Leben einschlich und die gleichwohl Ausblicke auf sein späteres Schaffen liefert. Benjamin Katz ist ein Kämpfer. Und selten strahlt eine Ausstellung dieses Lebensgefühl echter und tiefgründiger aus, als es Berlin Havelhöhe von sich behaupten kann.
Wir wünschen euch viel Spaß.

Zeiten:

bis zum 22. September 2019

Zu finden im Fotoraum, 2. OG!

Preise des Museums:

regulärer Eintritt:
11,00 €
ermäßigter Eintritt:
7,50 €

Kontaktdaten und Anfahrtsbeschreibung:

Museum Ludwig, Köln
Adresse: Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Telefon:
0221 – 221 261 65
Webseite:
www.museum-ludwig.de
KVB:
Linien 5,16, 18: Dom/Hbf
Linie 5: Rathaus

Diesen Artikel weiterempfehlen:
2019-06-23T23:55:02+02:00

Was sind eure Eindrücke?

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei