Loading...

„Et kumme widder bessere Zigge!“ – Ein Interview mit dem Theater12

/, News/„Et kumme widder bessere Zigge!“ – Ein Interview mit dem Theater12

„Et kumme widder bessere Zigge!“ – Ein Interview mit dem Theater12

2020-04-22T11:13:55+02:00By |

Aufführungen in der Volksbühne abgesagt

In den letzten Jahren war das Theater12-Ensemble ein treuer Gast auf der Bühne in der Volksbühne am Rudolfplatz. Im jährlichen Turnus präsentiert die freie Theatergruppe Komödical-Produktionen in kölscher Mundart, die das Leben der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger in sich aufnehmen und die damit ein verlässlicher Garant für gelungene Unterhaltung sind. So zumindest in den Vorjahren – denn nun kam es, wie es kommen musste: Da die Volksbühne alle Veranstaltungen absagen musste, fällt auch die für den vom 13. bis zum 16. Mai geplante Produktion „Die Hex vun Ihrefeld“ aus. Was bedeutet das für die Theatergruppe? Und wird die Inszenierung nachgeholt?

„Wir haben uns letztes Wochenende dazu entschlossen, die Aufführungen, ungeachtet der ungewissen zukünftigen Entwicklungen, abzusagen“, teilt uns Rolf Sperling, der Regisseur der 20-köpfigen Gruppe, leidvoll mit. Damit findet eine einjährige Planungs- und Vorbereitungszeit ihr unschönes Ende. „Das hängt natürlich nach. Aber was soll man machen? Es gibt Schlimmeres.“

Theater im Nebenberuf

Dass der Regisseur dem abrupten Aus der Inszenierung mit augenscheinlicher Gelassenheit entgegenblickt, das hat mehrere Gründe. Einerseits hat das als Laienspielgruppe agierende Ensemble keine hauptberuflichen Schauspielerinnen und Schauspieler in seinen Reihen. Das macht den finanziellen Verlust überschaubar und so treibt die Absage auch keine Existenzen in den finanziellen Ruin. „Uns entstehen durch den Ausfall natürlich Kosten, Stornogebühren oder die Kosten für eine Gesangslehrerin zum Beispiel, aber alles in allem hält sich das in Grenzen. Einige von uns verdienen mit ihrer Kunst auch noch nebenbei Geld – aber das sind Zusatzeinnahmen einzelner, die jetzt wegfallen. Das schmerzt, aber eben nicht so sehr wie bei den Menschen, die ihren Haupterwerb aus Veranstaltungen erzielen.“

Andererseits wurde die Vorbereitungszeit von der Pandemie sowie den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen rigoros unterbrochen, sodass man für den Termin im Mai sowieso nicht hundertprozentig fit gewesen wäre. „Wir planen zwar das ganze Jahr über, jedoch fangen wir mit den Proben erst im Januar an. Grundsätzlich brauchen wir auch die gesamte Zeit, um alles aufeinander abzustimmen“, so Rolf. „Jetzt konnten wir in den letzten Wochen schon nicht proben. Und ohne Kontakt zueinander geht das einfach nicht – vor allem nicht, wenn man mit einer Live-Band probt.“ Und wer will schon eine müßig zusammengezimmerte Inszenierung sehen?

Aufführung wird um ein Jahr verschoben

Die Absage bedeutet also einen Einschnitt, der jedoch nicht allzu tief ist. Da sich die Schauspieler das ganze Jahr über ebenso in anderen Theatergruppen und -ensembles betätigen, ist eine Verschiebung auf die derzeit geplante neue Interimsspielstätte der Volksbühne, die unter anderem als Auffangbecken für nachgeholte Produktionen fungieren soll, keine Option. Deswegen wird die gesamte Produktion, die an allen Spieltagen schon so gut wie ausgebucht war, um ein Jahr nach hinten verschoben. „Der gesamte Zyklus rückt jetzt ein Jahr nach hinten“, sagt Rolf. „Die Tickets behalten allerdings ihre Gültigkeit und an unser Publikum möchte ich gerne noch folgende Worte richten: Mir freue uns dodrop, em nöchste Johr met üch zesamme die „Hex vun Ihrefeld“ zo fiere. Blieht all jesund, und passt jot op üch op. Et kumme widder bessere Zigge!“

Foto 1: Theater12 – Das Ensemble
Foto 2: Theater12 – Die Hex Ulli Fuchs und Regisseur Rolf Sperling

Zum Interview mit der Volksbühne kommt ihr hier: „Eine Krise ist der Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung“ – Ein Interview mit der Volksbühne

Diesen Artikel weiterempfehlen: