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Rheinerlei auf der ART COLOGNE

///Rheinerlei auf der ART COLOGNE

Rheinerlei auf der ART COLOGNE

Endlich. Aus. Diesen. Schuhen raus. Das war der bestimmende Gedanke nach meinem ersten Tag auf der ‚ART COLOGNE‘. Denn meine Füße trugen mich an insgesamt zwei Tagen durch die gesamte Messehalle, über alle drei Ebenen hinweg. Und das gleich mehrmals. Wahnwitzige Kunstwerke und exorbitante Preise schwindelten meinem Wahrnehmungsvermögen ebenso wie die zahlreichen hübschen Frauen, die überall herum geisterten. Aber, äh, ja, das ist wohl ein komplett anderes Thema…

So, wo war ich nochmal? Achja, bei der ‚ART COLOGNE‘, beim Thema Kunst. Mein zuvor ausgeklügelter Plan sah folgendermaßen aus: zwei Tage hin, am ersten hier und da ein paar Fotos machen, Eindrücke wirken lassen und mir das ganze Treiben erst einmal anschauen. Am zweiten Tag wollte ich dann genau das Gleiche machen, doch analog dazu hatte ich den Plan, näher auf die Werke, die Künstler einzugehen und mich mehr mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Klappte das? Natürlich nicht. Denn auch beim zweiten Mal entdeckte ich immer wieder aufs Neue interessante Dinge, die mir beim ersten Besuch entgingen, die ich offensichtlich übersah.

Aber da Pläne nie wirklich aufgehen, wunderte mich das nicht sonderlich. Was mich zudem keineswegs überraschte, denn ich war ja auf der ‚ART COLOGNE‘ und wer da ob der Kunst jederzeit überrascht ist, der hat wohl keine Ahnung, worauf er oder sie sich einlässt, das waren die zahlreichen Kunstwerke, die mich größtenteils wahrlich in ihren Bann zogen. Viele Werke faszinierten mich, sie begeisterten mich und steigerten mein Interesse am künstlerischen Schaffen. Häufig ließen sie mich nachdenklich zurück, schmunzelnd und lachend, zweifelnd und scherzend. Manche langweilten mich zwar auch, aber die überging ich einfach schnell. Wozu dann damit die Zeit vertreiben?

Gerne hätte ich das ein oder andere Exemplar mit nach Hause genommen und meiner nicht vorhandenen Kunstsammlung hinzugefügt. Doch da die netten Damen an den Ausgängen penibelste Taschenkontrollen durchführten, verliefen kriminell angehauchte Überlegungen direkt im Sande. Und kaufen? Bei Preisen, die im hohen vierstelligen Bereich anfingen, ich hätte meine Niere zuvor wohl fünfmal verkaufen, mich im Menschenhandel betätigen oder einfach einen lukrativeren Job wählen müssen. Die plakative Analogie, ich hätte eine Bank überfallen müssen, die schenke ich mir jetzt mal…

Nun ja, also ging ich ohne Kunstwerke nach Hause, dafür aber mit hunderten Fotos eben jener. Auch nicht schlecht. Bei tausenden von Kunstwerken, konnte ich da denn überhaupt behaupten, dass ich Lieblinge fand? Dass ich bestimmte Exponate als mein persönliches Highlight betiteln konnte? Ja, dieses Privileg wurde mir glücklicherweise zuteil.

Besonders im Kopf blieben mir nämlich die Reliefs von Martin Spengler, gebürtiger Kölner und Teil des NEW POSITIONS-Programms. Die aus Wellpappe gefertigten Kunstwerke zeigten unter anderem kölsche Gebäude wie das Uni-Center oder das West-Center und verschwanden auch an dem einen Tag Messe-Pause, den ich einlegte, nicht aus meinen Gedanken. „Ich will mit der Kunst spielen, etwas Reales in der Kunst darstellen. Durch Brüche im Material soll der Fokus auf bestimmte skulpturale Stellen im Bild gelegt werden“, erklärte er mir. Davon hätte ich echt gerne eines eingetütet. Es hätte meiner Bruchbude einen wahrlich charmanten Look verpasst…

Aber was soll’s, die ist eh nicht mehr zu retten. Positiv überrascht war ich außerdem von den anderen Besuchern, denen man oftmals schon von Weitem ansah, dass sie in Geld schwimmen. Mir doch latte, zieh ich sie ein bisschen auf, dachte ich mir, und oftmals kamen witzige Interaktionen zustande. So erfuhr ich Geschichten, die ich eigentlich gar nicht erfahren wollte, und die Stimmung war im Großen und Ganzen ziemlich locker, womit ich nicht wirklich rechnete. Klar, die Aussteller waren immer nett und immerzu zu Gesprächen bereit, denn sie wollten ihre Produkte ja verkaufen. Aber die übrigen Besucher, die sorgten in dem teils elitär wirkenden Ambiente für eine lässige Atmosphäre, und das gefiel mir irgendwie.

Also, was bleibt festzuhalten? Erstens: mir war noch nie so bewusst, dass ich keine Kohle habe. Aber immerhin konnte ich mir eine Cola für 4,50 Euro (!!!) leisten. Zweitens: die Exponate, welche die Galerien ausstellen, hauen einen einerseits aus den Socken, erweitern den eigenen künstlerischen Horizont und verdeutlichen, wie komplex und vielfältig die Kunstszene aufgestellt ist. Sie können einen andererseits aber auch teilweise zu Tode langweilen. Und drittens: ich würde gerne nächstes Jahr wieder dabei sein. Denn das war eine echt schöne Erfahrung. Trotz schmerzender Füße.

Mehr Informationen über die ‚ART COLOGNE‘ findet ihr hier.

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2018-08-20T15:41:43+02:00

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