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Rheinerlei beim China Light Festival

///Rheinerlei beim China Light Festival

Rheinerlei beim China Light Festival

Feierabend. Ein Blick genügt und mein Computer fährt von alleine herunter, der Aktenberg ordnet sich von selbst und ich verdufte in Windeseile aus dem Büro. Keine Zeit. Ich muss mich beeilen, um 18 Uhr bin ich vor dem Zoo für das China Light Festival verabredet. Auf dem Weg zur Bahn überkommt mich ein kurzer Anflug von Naivität. Ich erhoffe mir, dass ich die Bahn pünktlich erwische. Doch sie fährt direkt vor meinen Augen ab und ich darf an der Haltestelle erst einmal warten. Unnötige Minuten verstreichen. Das China Light Festival wartet auch mich und nun stehe ich hier im Regen und dränge mich zu den anderen Menschen an der Haltestelle. Und doch verfliegt meine Anspannung nicht, meine Vorfreude auf das Lichterfest, das im Kölner Umkreis Seinesgleichen sucht, steigt nur noch. Ist es wirklich so gut, wie ich schon öfters gehört habe? Ich habe ja einen Faible für asiatische Kulturen. Aber ist der Name auch wirklich Programm und kommt dieser Aspekt hinlänglich heraus?

Irgendwann, es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, komme ich dann endlich mit der 18 an meinem Ziel an. Halstestelle: Zoo/Flora. Meine Kamera hängt mir dabei lässig über der Schulter, damit ich das Erlebnis gebührend festhalten kann. Wie witzig dieses Vorhaben von mir ist, das fällt mir erst auf, als ich vor dem Zoo stehe. Ein Fotobuch würde ich gerne machen, so habe ich es der Pressestelle des Zoos mitgeteilt. Dass ich nicht gerade die besten Fotos mache, wenn es dunkel ist, das habe ich dabei glatt vercheckt. Kleine Zweifel kommen auf, während ich auf meine beiden Begleiterinnen warte, die mich per Whatsapp hinhalten. „Wir sind gleich da.“ Das Gleich, das zieht sich dann auch erwartungsgemäß und Minuten später ist der Wahrheitsgehalt dieser Aussage immer noch zu hinterfragen. Die Lichtkonstruktion, die vor dem Zoo aufgebaut ist und eine Mischung aus Statue und einem aus dem Boden schießenden Drachen darstellt, bietet mir derweil die perfekte Gelegenheit, meine Fotokünste zu verbessern. Ein Foto, drei Fotos, fünfzig Fotos. Meine Speicherkarte wird voller und voller, aber zufrieden bin ich nicht. Fängt ja gut an…

Minuten später geben sich dann auch endlich meine Begleiterinnen die Ehre aufzukreuzen. Als hätte ich nicht schon genug gewartet, darf ich gleich nochmal warten. „Wir holen uns noch eben schnell Karten“, kriege ich direkt an den Kopf geworfen, auf einen Kuss zur Begrüßung warte ich vergebens. Danke, aber was soll’s. Anfänger. Ich hingegen laufe schnurstracks durch den Presseeingang und warte auf die beiden auf der anderen Seite des Eingangs. Meine Kamera, die habe ich dabei nie ganz weg gesteckt, und ich mache mich gleich daran den kunterbunten Torbogen zu fotografieren, der die Besucher des Festivals empfängt und der gleich zu Beginn einen chinesischen Spirit versprüht. Mit dem „China“ im Namen nimmt es das Festival also wirklich ernst. Gut.

Wieder eine halbe Ewigkeit später, ich schaue auf meine Uhr und kann es nicht fassen, stehen zu meiner linken und rechten meine Begleiterinnen. Ich bin ehrlich überrascht. „Mach ein Foto von mir unter dem Bogen!“, schlägt meine Freundin vor, läuft auf ihn zu, ist aber sogleich von anderen Installationen abgelenkt, die ein wenig weiter weg aufgebaut sind. Da hocke ich nun, bereit für ein Foto, und alles, was ich sehe, sind fremde Menschen, die voneinander Fotos machen und mich dabei ignorieren. Das ist nicht unbedingt das Motiv, das ich jetzt haben möchte, aber Hauptsache die Freundin hüpft von einer Installation zur nächsten. Also gehe auch ich weiter und erfreue mich in der Folge an dem Lichtermeer, das entlang des Weges auf mich wartet und das einen auf asiatisch macht. Meine Erwartungen werden diesbezüglich also vollends erfüllt. Ein breites Grinsen setzt sich auf meinem Gesicht fest, das sich im Laufe des Abends auch gar nicht mehr verabschieden will. Das alles hier, das lässt das Kind in mir wieder zum Vorschein kommen. Grins.

Also tapsen wir zu dritt durch den Zoo, vorbei an leuchtenden Pandas, die sich im Schatten eines Riesenpandas sonnen, an strahlenden Pinguinen, die mega süß aus der Wäsche schauen und gleich mehrere Besuchergruppen in ihren Bann ziehen und vorbei an etlichen Lichtinstallationen, die man irgendwie aus dem Fernsehen oder aus chinesischen Stadtvierteln kennt. Echte Tiere sehen wir dabei so gut wie gar nicht, denn die sind in ihren Innengehegen unter Verschluss gehalten. Gut so, denke ich. Denn selbst ich bin die ganze Zeit von den Socken ob der atemberaubenden Installationen; und wie ginge es dann bloß den Tieren? Wahrscheinlich würden sie die Tiere nur aufschrecken, und das will ja niemand.

Die anderen Besucher um mich herum machen zumindest auch nicht den Eindruck, als hätten sie erwartet, dass der reguläre Zoobetrieb parallel stattfindet. Es sind Paare, die ihre Dates in den Zoo verlegt haben, Familien, die gleich alle Generationen in ihr Auto gepackt haben und viele andere Fotografen, die ebenso erpicht darauf sind wie ich, abgefahrene Fotos von den Lichtinstallationen zu schießen. Meine Kamera klickt auf unserer kleinen Tour unentwegt vor sich hin, wahrscheinlich gehe ich meinen Begleiterinnen damit schon auf den Sack, und ich erfreue mich daran, durch ein asiatisch angehauchtes Lichtermeer zu wandeln und meiner Leidenschaft zu fröhnen. Das macht einfach Spaß.

Meine Highlights sind ganz klar die bereits erwähnten Pandas, die Erdmännchen, die um die Wette grinsen, und die Dinosaurier-Installation, die ich zwar nicht so recht verstehe (gibt es etwa einen T-Rex im Zoo, den ich bisher noch nicht gesehen habe??), die mich jedoch fasziniert und Erinnerungen an meine Kindheit hochkochen lässt. Den Drachen, den man in jeder Werbung vom Festival sieht, den passiere ich ebenfalls, aber ich hatte ihn mir im Vorfeld ein bisschen imposanter vorgestellt. So, wie er da inmitten einer Rasenfläche ganz alleine aufgestellt ist und vor sich hin brüllt, wirkt er ein wenig verloren. Schade.

Mittlerweile hat es angefangen wie aus Kübeln zu regnen. Ich habe wehleidig meine Kamera wieder eingepackt, um sie vor dem Nass zu schützen. Es ist kalt. Bitterkalt. Der Glühwein, den wir uns auf dem Weg holen, ist im Nukommanix weg und wärmt nur kurzzeitig. Am Ende des Weges schlüpfen wir deswegen noch einmal schnell in das Restaurant, das geöffnet ist, und holen uns einen heißen Kaffee. Dabei können wir uns glücklich schätzen, dass genau zu diesem Zeitpunkt eine chinesische Akrobatentruppe, dessen Namen ich vergessen habe, auf der kleinen Bühne vor dem Gebäude auftritt und die Zuschauer, die sich alle unter den Schirmen verschanzt haben, mit halsbrecherischen und unglaublichen Aktionen unterhält. Ein schöner Abschluss, wie ich finde.

Ich habe an jenem Abend viel gewartet. Zu viel, mag ich fast behaupten, so als ungeduldiger und beizeiten unruhiger Mensch der ich bin. Doch all das Warten, es hat sich gelohnt. Die Lichtinstallationen waren klasse, sie haben den Zoo in einen beinahe mystischen Schimmer getaucht, der sich auf die gesamte abendliche Atmosphäre übertrug. Fotos, die habe ich weiß Gott auch zur Genüge gemacht und nun seid ihr dran, sie zu bewerten. Sind sie gut genug? Ich zumindest kann verstehen, dass in diesem Jahr rund 100.000 Menschen zu Gast beim China Light Festival gewesen sind. Ob sich der doch schon recht hohe Eintrittspreis deswegen aber lohnt, das sei jedem selbst überlassen. Man sollte schon Gefallen an solch einem Lichterfest haben. Auch wenn man das Festival mindestens einmal gesehen haben sollte, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner, also schreib ich es einfach runter. Nächstes Jahr, ich würde es auf jeden Fall gerne abermals erleben und zwar mit der leisen Hoffnung, die ein oder andere neue Installation sehen zu dürfen. Um es im Facebook-Slang auszudrücken: Daumen hoch.

Das sagenumwobene Fotobuch findet ihr HIER.

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2019-02-22T02:25:07+02:00