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Rheinerlei in ‚Dä ieskale Schäl‘ – Das Weihnachtsmärchen im Hänneschen

///Rheinerlei in ‚Dä ieskale Schäl‘ – Das Weihnachtsmärchen im Hänneschen

Rheinerlei in ‚Dä ieskale Schäl‘ – Das Weihnachtsmärchen im Hänneschen

2019-11-23T18:40:41+02:00By |

Demut, Dankbarkeit und Zurückhaltung. Drei Tugenden, die insbesondere zur Weihnachtszeit stets hoch im Kurs stehen. Und gleichfalls drei Tugenden, die Schäl wahrscheinlich nur aus dem Duden kennt und die bei jenem mehr verpönt denn geachtet werden. Weihnachten hin oder her. Doch dieses Mal, im Weihnachtsmärchen „Dä ieskale Schäl“, bleibt dem listigsten Bewohner Knollendorfs gar keine andere Wahl, als sich diese Merkmale anzueignen. Denn er wird eiskalt verzaubert und aus diesem Schlamassel kommt er nicht so schnell wieder raus…

Die Weihnachtszeit beginnt und Hänneschen und Co. sorgen sich, dass sie dieses Jahr auf weiße Weihnachten verzichten müssen. Kein Schnee in Sicht, nicht eine einzige Flocke, und so befürchten die Bewohner Knollendorfs schon das Schlimmste. Die Schneemaschine, die sich Schäl unter den Nagel gerissen hat, bringt Hoffnung in die ausweglose Situation. Doch die Hoffnung währt nur kurz. Denn er verlangt, wie es für Schäl üblich ist, Geld für den künstlichen Schnee, für jede einzelne Flocke. Prompt macht sich Verärgerung breit und zwar nicht nur unter den Knollendorfern. Selbst dem „Hellije Mann“ und dem Winter höchstpersönlich platzen nun der Kragen, hat Schäl sich in der Vergangenheit doch schon die ein oder andere allzu gierige und egoistische Aktion erlaubt, über die man bis dato aber immer hinweg sah. Mir nichts dir nichts verzaubert ihn der Winter und Schäls Kopp verwandelt sich in einen griesgrämigen Schneemannskopf, inklusive langer Karottennase. Das sorgt für Gelächter im Dorf und alle Erwachsenen wenden sich schadenfroh von ihm ab, nun kann er nur auf die Hilfe der Pänz des Dorfes zählen, die sich, wenn auch zum Teil recht widerwillig, dran machen dem Unglücksraben zu helfen.

Speziell Hänneschen wird von seinem Bärbelchen geradezu gedrängt Schäl unter die Arme zu greifen. Dabei durchlaufen sie, Schäls Tochter Rösjen im Schlepptau, eine wundervoll weihnachtlich gestaltete Kulisse, die sich auf drei Bilder aufteilt und die vom Knollendorf bis hin zum Knollebösch auf liebevolle, adventliche Details setzt, wunderschön verarbeitet und die mitfühlende Geschichte stimmig untermalend.

Mir persönlich hat das mal wieder extrem viel Spaß gemacht, wahrscheinlich mehr noch als bei anderen Inszenierungen, die ich bisher gesehen habe. Das gesamte Stück, mit seiner liebreizenden Erzählweise, hat mich ebenso mitgerissen wie die musikalischen Passagen, die sich des Öfteren in die Inszenierung eingeschlichen haben und die den Erzählfluss keineswegs störten oder unterbrachen. Als in einem Moment der Vorhang zuging, nur damit die Kulisse kurz verändert werden konnte, fragte ein junger Bursche, der in meiner Reihe saß, seine Eltern ganz verzweifelt, ob die Aufführung denn schon zu Ende sei. Ich erahnte zwar, dass dies noch nicht das Ende war, doch ich verstand die Verzweiflung in der Stimme des Jungen. Denn gerne wäre ich nach dem wirklichen Ende der Inszenierung einfach sitzengeblieben, gerne noch hätte ich das Ostermärchen (das es wirklich alljährlich gibt) und dazu noch ein Pfingst- und ein Allerheiligenmärchen hinterher geschoben.

Also ja, ich war restlos hin und weg. Und wer dementsprechend auch Lust hat sich zum Beginn der Weihnachtsmarkt-Saison stilgerecht auf die Feiertage einzustimmen, der sollte sich „Dä ieskale Schäl“ unbedingt anschauen. Zwar sind alle Karten schon vergriffen, doch an der Abendkasse hat man aufgrund nicht erscheinender Gäste immer mal wieder die Gelegenheit auch spontan an Karten zu kommen. Solltet ihr also eines Nachmittags auf dem Weihnachtsmarkt am Heumarkt stehen und euch überkommt die Lust nach einem besonderen Event, dann schaut doch einfach mal im Hänneschen am Eisenmarkt vorbei. Es lohnt sich. Und wie. Wir wünschen euch viel Spaß.

Fotos: Stadt Köln/Hänneschen-Theater

Zeiten:

bis zum 20. Dezember 2018
Mittwoch bis Sonntag: 15:00 und 17:30 Uhr

Preise:

Bereits ausverkauft! Spontanes Vorbeischauen lohnt sich jedoch.
Erwachsene: 15,00 €
Kinder: 8,50 €

Kontaktdaten und Anfahrtsbeschreibung:

Hänneschen Theater
Adresse: Eisenmarkt 2 – 4, 50667 Köln
Telefon: 0221 – 258 12 01 (Ticketverkauf)
Webseite: www.haenneschen.de
KVB: Linien 1, 5, 7, 9: Heumarkt

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