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Rheinerlei in der Heldenzentrale – COMEDIA – Theater

///Rheinerlei in der Heldenzentrale – COMEDIA – Theater

Rheinerlei in der Heldenzentrale – COMEDIA – Theater

Helden sind in unserer heutigen Kultur allgegenwärtig. Ein Superheldenfilm hier, ein Superheldenfilm dort, irgendwie habe ich den Eindruck, dass es zu kaum einem anderen Zeitpunkt in der Weltgeschichte solch einen Drang nach Heldengeschichten gab wie heute, seien sie auf die Leinwand gebracht, in Comics veröffentlicht oder in TV-Serien gepackt. Laben wir uns als Gesellschaft etwa gerne an Menschen, die sich dem Bösen stellen und die ihr eigenes Leben dabei aufs Spiel setzen? Doch was genau macht einen Helden aus; was genau muss ein Held leisten, um auch wirklich als Held zu gelten? Einen Versuch, diese Fragen zu erörtern, macht nun die COMEDIA in ihrer neuen Produktion ‚Heldenzentrale‘, die sich auf ein hauseigenes Rechercheprojekt bezieht, bei dem sich ein Team des Theaters auf die Suche nach den kölschen Helden des Alltags begab und dafür Kinder und Jugendliche in der gesamten Stadt befragte. Nach und nach entstand so ein Theaterstück, welches sich mit allerlei held’schen Aktivitäten auseinandersetzt; und dabei komplett anders ist, als man es sich im Vorfeld vielleicht vorstellt…

Zieht man beim Hören des Namens die eigenen, beizeiten klischeehaften Vorstellungen heran, so stellt man sich wahrscheinlich einen Superman-Verschnitt vor, der an Seilen gespannt über die Bühne fliegt und aus dessen Augen Laserstrahlen schießen. Einen Batman, der sich durch dunkle Szenerien schleicht und Gangster hinter Gitter bringt, der hysterisch lachende Clowns mit seinem Motorrad umfährt oder sich von Fassaden stürzt, um die Liebe seines Lebens zu retten. Nein, das mag alles schön und gut klingen, doch die Produktion, über die ich hier schreibe, bietet etwas ganz anderes. Theatralisch aufgearbeitet handelt sie von ganz normalen Menschen; von Menschen, die Einzigartiges vollbringen, die Hervorstechen durch gute Taten, durch alltägliche Dinge; durch Dinge, die in der Schnelllebigkeit unserer heutigen Gesellschaft kaum auffallen, die anderen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und die die Tage der Betroffenen Stück für Stück ein kleines bisschen besser machen. Rennt man durch das Leben und schenkt seiner Umgebung keine Beachtung, so mögen solche Dinge einem höchstwahrscheinlich entgehen, sie ziehen an einem vorbei, man beachtet sie kaum: Uneigennützige Taten, die unser Leben jedoch ebenso prägen wie egozentrische, hinterhältige und von Arroganz getriebene Handlungen.

Ausgehend von diesem Standpunkt behandelte die Inszenierung das Heldsein als eine Art des Alltäglichen, als eine Art des Menschlichen, das in allen von uns schlummert. Letztlich ging es um das Leben und das Leben-Lassen, um den Willen, unbeachtet Gutes vollbringen zu wollen, ohne dafür etwas zu verlangen, es ging um das Fallen und das Wieder-Aufstehen, um ein Sich-Nicht-Unterkriegen-Lassen und um einen empathischen und fürsorglichen Umgang Menschen gegenüber; um Menschen, die trotz aller Widrigkeiten stark sind, und es auch bleiben, um deren Stellung als Helden des Alltags und dass ein jeder von uns in der Lage ist, den eigenen Mitmenschen Aufmerksamkeit zu schenken und das eigene Ego einfach mal hinten anzustellen.

Ehrlich gesagt, ich hatte damit zwar gerechnet, jedoch nicht in dieser Aufmachung. Willkürlich dachte ich im Vorhinein an eine Abfolge kölscher Alltagshelden, an eine Abfolge von Geschichten, die bei der Recherchetour zutage kamen. Irrtümlich? Relativ. Sehenden Auges wurde ich stattdessen Zeuge einer Aufführung, die sich mehr mit den Eigenschaften heldenhafter Tugenden an sich beschäftigte, denn mit einzelnen Personen. Im Rückblick war dies, meiner Meinung nach, genau die richtige Herangehensweise, ging es doch darum, solche Merkmale herauszustellen, denn bestimmte Menschen zu würdigen. Nicht der Mensch als Held stand im Vordergrund, sondern die Eigenschaften eines Helden, und dieser Punkt sagte mir sehr zu, auch wenn es mich anfangs vielleicht irritierte.

Doch Irritation, sie mag bei diesem Stück beizeiten gewollt sein. Ab und an untermalten Musikstücke die Aufführung, die im ersten Augenblick nicht immer passend zum gerade Gesehenen schienen. Lieder, die manchmal aus der Inszenierung heraus drangen, und doch gerade dadurch auf Willkür und Gegensätzliches, auf Verbundenheit und ebenso auf Das-Nicht-Immer-Reinpassen aufmerksam machten. Letztlich, so kam es mir am Ende vor, hatte jedes Stück seinen Zweck, jedes Lied überbrachte eine spezifische Botschaft, auch wenn sie mich manchmal verwirrt zurückließen.

Eine Sache, sie störte mich dennoch, auch im Nachgang. Hervorzuheben sei nämlich der Einsatz der Requisite, welche die gesamte Kulisse einnahm: Umzugskartons. Einheitlich geschlossene und damit den Inhalt verbergende Umzugskartons wurden schon während des Einmarsches der Schauspieler auf die Bühne geschleppt und zu Beginn dachte ich an das große Potenzial, welches sich dadurch eröffnete, mit den Kartons einen stetigen Wechsel der Kulisse zu vollziehen. Leider erkannte ich diese Abwechslung jedoch nicht wirklich, beziehungsweise viel zu selten. Denn mehr als drei bis vier Szenenwechsel gab es im Laufe der Inszenierung nicht und so hatte ich den Eindruck, dass die Möglichkeiten eines variantenreichen Einsatzes der Kartons nicht vollends ausgeschöpft wurden und deren Nutzung damit gar ein wenig unausgereift schien.

Ein paar Tage später lief ich durch die Stadt und ich sah einen Mann, der einem Obdachlosen ein wenig Geld aus seinem Portemonnaie reichte; es war keine große Geste, doch erkannte ich die Freude in den Zügen des Obdachlosen, ich erkannte Dankbarkeit und ein breites Lächeln, welches sich über die gesamte Gesichtspartie zog. Nicht selten ereignen sich eben solche Szenen überall in der Stadt, immer wieder helfen sich die Menschen gegenseitig, immer wieder überwiegen die guten Taten gegenüber den Schlechten. Doch sind es nicht gerade jene Taten, solche kleinen, guten Dinge, die das Leben lebenswert machen? Aufgepasst, können wir sie tagtäglich erblicken. Nach Schulschluss, während der Arbeit oder beim Verlassen eines Supermarktes. Keine große Sachen, aber können wir nicht gerade deswegen, auf eine gewisse Art und Weise, alle Helden sein, irgendwie und für irgendjemanden? Einfach so, ohne große Anstrengung – und eben diesen Aspekt stellte die Inszenierung passend heraus.

Fotos: MEYER ORIGINALS

Zeiten:

vorerst keine Vorstellungen mehr.

Preise:

Kinder: 6,00 €*
Erwachsene: 9,00 €*
Schulen/Kindergärten:
5,00 €*
Familen-/Gruppenkarte:
30,00 €* (für 5 Personen, jede weitere Person zahlt 6,00 €)

*zzgl. VVK-Gebühren

Kontaktdaten und Anfahrtsbeschreibung:

COMEDIA Theater
Adresse: Vondelstraße 4-8, 50677 Köln
Telefon: 0221 – 888 77 222
Webseite:
https://www.comedia-koeln.de/kindertheater/programm/heldenzentrale-9.html
KVB:
Linien 15, 16, 17: Chlodwigplatz
Linien 15, 16: Ulrepforte

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2019-05-25T00:13:04+02:00

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