Rheinerlei in „Offenbach – Zwesche Kölle un Paris“

///Rheinerlei in „Offenbach – Zwesche Kölle un Paris“

Rheinerlei in „Offenbach – Zwesche Kölle un Paris“

Was macht den Mythos des Hänneschen aus? Ist es die kölsche Mundart? Die über 200 Jahre alte Tradition, alle Generationen der Stadt gleichermaßen unterhalten zu können und ebenjene geradewegs in eine Parallelwelt einzuführen? Oder sind es die Geschichten, die es erzählt und durch die das Knollendorf mittlerweile ein echtes Stück Köln geworden ist? Man weiß es nicht und höchstwahrscheinlich ist es subjektivem Empfinden geschuldet, wie man dazu steht und welche Erwartungen man an das Theater hat. Was mich wiederum zu der Frage führt: Kann ein Theater überhaupt von einem Mythos umgeben sein? Oder sind das alles nur leere Worte, um die Bänke zu füllen und möglichst viele Einnahmen zu generieren?

Die „Kölner Holzkammerspiele am Eisenmarkt“ starten in die neue Spielzeit und mit ihrem neuen Stück „Offenbach – Zwesche Kölle un Paris“ feiert das Theater den 200. Geburtstag Jacques Offenbachs. Und abermals versetzt es die Knollendorfer damit in längst vergangene Zeiten. Angekommen im Jahr 1900 suchen Schäl, Speimanes und Co. nach ertragsreichen und maximal moralisch verwerflichen Möglichkeiten, den eigenen Lederbeutel wieder aufzufüllen. Sogleich verwandelt sich Schäls hypothekenbelastete Villa in Lindenthal in eine Dependance des Dom Hotels und die Bewohner Knollendorfs finden sich mal wieder in ungewohnten Rollen wieder. Wobei…

Während die Großstädte Deutschlands unter Wohnungsmangel-Diskussionen und den gewerblichen Vermietungen privater Wohnungen ächzen, zeigt uns Schäl in gewohnter und gleichermaßen geschätzter und gehasster Art und Weise, dass es doch so viel unkomplizierter gehen kann. Nachdem Mr. Umtriebig seine Monokel-Fabrik schließen musste, kommt ihm eine adelige und aus England anreisende Familie gerade recht, um ein paar Taler dazu zu verdienen. Ein paar scharfsinnige Worte später schließt sich Speimanes einem gerissenen Plan an, der zum Ziel hat, dem Dom Hotel die Gäste abzuzwacken. Hänneschen und Bärbelchen kümmern sich derweil um das Buffet und um den Schein aufrecht zu erhalten und um die Gäste aus Brexitannien bei der Stange zu halten, muss der Rest der Knollendorfer in die Rollen adeliger und prominenter Personen schlüpfen. Ein Abend mit einer Menge Kölsch beginnt, der fragwürdige Konsequenzen nach sich zieht und an dessen Ende nicht jede Stockpuppe all ihre Klamotten noch am eigenen Leibe trägt…

Wie gehabt: Das macht Spaß, die Witze sind köstlich und die ganze Aufmachung ist wie gewohnt herzlich und einladend. Das Spiel der Puppen berührt und die Kulisse ist zwar weder pompös noch tanzt sie aus der Reihe, doch sie fügt sich gut in den Spielfluss ein. Selbiges gilt für die Musik und die gesungenen und gespielten Lieder, die bis auf einen kleinen Patzer reibungslos aufgeführt wurden und die Offenbach höchstwahrscheinlich ein Lächeln auf sein Antlitz gezaubert hätten.
Doch gerade in den Akten vor der Pause zeigte das Stück einige Längen, die für mich immer wieder zum Verlust des berühmt berüchtigten roten Fadens führten. Die erzählte Geschichte, ich kam einfach nicht vollends in sie herein; und das ist meiner Meinung nach so typisch für die Hänneschen-Aufführungen.  Kommt hier vielleicht dieser scheinbare Theater-Mythos zum Tragen, von dem ich am Anfang des Textes geschrieben habe?

Wer weiß. Aber sollte es ihn wirklich geben, in Köln gibt es wohl kaum ein anderes Haus, für welches er zutreffender wäre als für das Hänneschen. Über 200 Jahre Wirken hinterlässt halt seine Spuren, auch wenn ich die Beantwortung jener Frage lieber in die Hände kundiger Theaterwissenschaftler geben würde. Was die Inszenierung angeht, da bleibt für euch auf jeden Fall folgendes festzuhalten: Mit „Offenbach – Zwesche Kölle un Paris“ versorgt euch das Hänneschen einmal mehr mit einem gelungenen Familienabend, der trotz kleiner Mängel durchweg alle Generationen begeistern dürfte. Freut euch auf einen Abend mit einem gewohnt gierigen Schäl, einem vor Eifersucht tobenden Bärbelchen und vielen knollendorftypischen Genussmomenten. Wir wünschen euch viel Spaß.

Fotos: Stadt Köln/Hänneschen-Theater

Zeiten 2019:

noch bis zum 27. Oktober 2019!

Zeiten 2020:

18. April bis zum 20. Juni 2020

Preise:

Eintritt: 21,00 €

Kontaktdaten und Anfahrtsbeschreibung:

Hänneschen Theater
Adresse: Eisenmarkt 2 – 4, 50667 Köln
Telefon: 0221 – 258 12 01
Webseite: www.haenneschen.de
KVB:
Linien 1, 5, 7, 9: Heumarkt
Linien 106, 132, 133, 250, 260, 978: Heumarkt

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2019-09-07T12:18:27+02:00

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