Laden...

Rheinerlei liest „Vom Tatort ins Labor“ – Einblicke in die Kölner Rechtsmedizin“

Startseite/Buchkritiken/Rheinerlei liest „Vom Tatort ins Labor“ – Einblicke in die Kölner Rechtsmedizin“

Rheinerlei liest „Vom Tatort ins Labor“ – Einblicke in die Kölner Rechtsmedizin“

Von |2021-06-25T07:22:03+02:0025.06.2021|

Mehr als eine Fernsehserie

Der Münsteraner Professor Börne ist sicher der Star unter den TV-Pathologen. Zwar unverzichtbar zur Aufklärung eines Kapitalverbrechens, spielen sie sonst eher eine Nebenrolle in den Fernsehkrimis. Wie sie in der Realität arbeiten, beschreibt jetzt Markus Rothschild in seinem bei J.P. Bachem erschienenen Buch „Vom Tatort ins Labor“ – Einblicke in die Kölner Rechtsmedizin“ – ein ebenso detailreicher und faszinierender wie wissenswerter und spannender Blick hinter die Kulissen. 

Autor Markus Rothschild, Direktor des Kölner Instituts für Rechtsmedizin, beginnt mit einer Geschichte seiner Arbeitsstätte. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Köln ein Institut für Pathologie. Frühe Planungen, der Universität einen Lehrstuhl für Gerichtliche Medizin anzugliedern, wurden von der NS-Regierung erst 1941 umgesetzt. Der Lehrbeauftragte Max Schwellnus übernahm nach 1945 – obwohl förderndes Mitglied der SS und NSDAP-Mitglied – die Aufgabe des Gerichtsmediziners bei der Stadt Köln. Erst in den 1960er Jahren erhielt die Universität am Melatengürtel ein eigenes gerichtsmedizinisches Institut.

Wissenschaft leicht und verständlich dargestellt 

Diesem kurzen Kapitel folgen drei reich gegliederte über die drei Arbeitsschwerpunkte des Instituts: Forensische Morphologie und Traumatologie, Forensische Toxilogie und Forensische Molekulargenetik. Hört sich zunächst sehr wissenschaftlich und kompliziert an. Doch Rothschild kann die rund 75 methodischen Unterpunkte überraschend verständlich darstellen. Zahlreiche Fotos helfen ihm dabei. 

Schritt für Schritt können Leserinnen und Leser die Arbeit der Pathologen verfolgen, die eingebettet sind in gesetzliche Vorschriften. Dabei werden auch „Lücken“ kritisch aufgegriffen, wie die Tatsache, dass jeder Arzt einen Todesbescheinigung ausstellen kann – ungeachtet seiner Routine in der Leichenschau, was immer wieder zum Übersehen von Tötungsdelikten führt.

Ohne Pathologen keine Mordsaufklärung 

Hier nur einige Stichworte, die die Vielfalt der Arbeit nur andeuten können: Obduktion zur Klärung der Todesursache, Untersuchung von Kontaktspuren, Wundballistik, Nachtrunkbehauptungen, Hautschuppenanalyse, DNA-Fragmentanalyse, K.o.-Mittel, Untersuchung Verstorbener nach einem Brand oder Hautschuppenanalyse als „Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“. An ausgesuchten realen Fallbeispielen wird deutlich, welch unverzichtbare Rolle die Pathologen und die von ihnen angewandten Methoden bei der Aufklärung eines Kriminalfalles spielen. 

Nach der Lektüre dieses Buches wird man die Fernsehpathologen garantiert mit mehr Respekt beachten als es manche TV-Kommissare tun. 

Informationen:

Vom Tatort ins Labor – Einblicke in die Kölner Rechtsmedizin
Autor:  Dr. Markus Rothschild
128 Seiten
Köln, 2021

Preis:

Beim Verlag: 24,95 €

Verlag:

J.P. Bachem Verlag GmbH
Adresse: Ursulaplatz 1, 50668 Köln
Webseite: https://bachem.de/?c=1754

Diesen Artikel weiterempfehlen: